Was darf man genehmigungsfrei drehen?

Stichwort Panoramafreiheit

Fotografieren verboten!

Die gute Nachricht: Solange Sie als Amateur unterwegs sind und Ihre Aufnahmen nicht veröffentlichen, werden Sie zumindest in Deutschland kaum Probleme haben. Entweder ist das Drehen sowieso erlaubt oder es wird zumindest geduldet. Wo das nicht der Fall ist, steht – deutscher Gründlichkeit sei Dank – meist ein Schild oder eine Hinweistafel. Im Zweifel hilft der gesunde Menschenverstand: An offensichtlich unpassenden Orten gehört die Kamera in die Tasche!

Damit eine Aufnahme als veröffentlicht gilt, muss sich nicht im Fernsehen zu sehen sein oder im Kino – schon der Upload zu Youtube oder auf die eigene Internetseite reicht. Ob sich die Seite an eine breite Öffentlichkeit oder nur an Freunde und Bekannte richtet, ist ohne Bedeutung.

Doch selbst für zur Veröffentlichung bestimmte Aufnahmen gelten in Deutschland weitreichende Freiheiten: Gemäß §59 UrhG ist es zulässig, „Werke, die sich bleibend an öffentlichen Wegen, Straßen oder Plätzen befinden, mit Mitteln der Malerei oder Graphik, durch Lichtbild oder durch Film zu vervielfältigen, zu verbreiten und öffentlich wiederzugeben.“ 

Im Klartext heißt das: Sie dürfen das Wohnhaus Ihrer hübschen Nachbarin guten Gewissens drehen, solange Sie dabei auf einer öffentlichen Straße stehen und das Grundstück nicht betreten.  Die Dame selbst  ist für Ihre Kamera tabu! Unter welchen Umständen sie mit aufs Bild darf, ist ist eine Frage des Persönlichkeitsrechts, der ich in einem späteren Artikel nachgehe.

Doch auch ohne Nachbarin im Bild ist nicht alles erlaubt: Das Werk (also das Gebäude, Kunstobjekt, Brunnen, Straße …) muss bleibend sein: Ein an einem Gebäude dauerhaft installiertes Kunstwerk dürfen Sie bedenkenlos abbilden, ein großes Fototransparent, das auf eine Kunstausstellung hinweist, nicht.

Auch sonst liegt die Tücke des  §59 UrhG  im Detail: Nicht alles, was öffentlich zugänglich ist, ist auch öffentlicher Grund. Bahnhofsgelände oder Museumsgärten zum Beispiel  gehören nicht dazu, obwohl sie vielleicht sogar  in staatlichem Besitz sind und das Betreten ohne Eintritt oder sonstige Zugangskontrollen möglich ist. Aufnahmen in Innenräumen öffentlich zugänglicher Gebäude bedürfen immer einer Genehmigung!

Niemals dürfen Sie Hilfsmittel verwenden, um etwa über eine Mauer zu schauen: Der Einsatz einer Leiter, eines über die Augenhöhe gehenden Stativs oder eines Multicopters ist nicht zulässig. Ebenso wenig dürfen Sie aus Ihrem oder  einem anderen Gebäude heraus auf das Grundstück der Nachbarin filmen.

Andere Länder, andere Sitten

Alle diese  Regeln, gemeinhin unter dem Begriff „Panoramafreiheit“ zusammengefasst, gelten nur für Deutschland. In vielen anderen Ländern sind sie ähnlich. Sie müssen jedoch nur über die Grenze nach Frankreich gehen und schön sieht es völlig anders aus.  Wie genau und was es sonst beim Urlaubfilmdreh zu berücksichtigen gilt, darüber erhalten Sie hier einen Überblick.

 

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