Belichtungszeit von Camcordern: Was bedeuten die Gradzahlen?

Alles über den Hell-/Offensektor

Im Menü moderner Videokameras für digitale Cinematografie lässt sich häufig einstellen, ob die Belichtungszeit als Sekundenbruchteil (z.B. 1/50 Sek.) oder als Gradzahl (z.B. 180°) angezeigt wird. Im Prinzip bedeutet beides dasselbe. Einen kleinen, aber feinen Unterschied gibt es trotzdem.

Die Eigenart, Belichtungszeiten als Gradzahl zu definieren, geht zurück auf die klassische Filmtechnik. Bei einer Filmkamera gliedert sich der Belichtungsvorgang in zwei Phasen: Der eigentlichen Belichtung, bei der das Licht durch das Objektiv auf den Film fällt und der Transportphase, bei der der Film um ein Einzelbild weiter bewegt wird. Während des Transports darf kein Licht auf den Film fallen, weshalb der Strahlengang geschlossen werden muss. Das Prinzip kennen Sie von der Spiegelreflexkamera: Vor und nach der Belichtung des Bildes machen Spiegel und Schlitzverschluss den Strahlengang dicht.

So läuft die Belichtung bei einer Filmkamera

Der in Spiegelreflexkameras übliche Schwingspiegel wäre für eine Filmkamera keine gute Lösung. Die auftretenden hohen Beschleunigungskräfte – immerhin müsste der Spiegel mindestens 25-mal pro Sekunde auf- und wieder zugehen – würden für einen hohen Verschleiß und baldigen Ausfall sorgen. Stattdessen verwendet man an der Filmkamera eine Umlaufblende, eine Art runder Deckel, dessen Befestigungsachse sich pro Einzelbild einmal dreht. Im „Deckel“ fehlen einzelne Segmente, wodurch Licht auf den Film fallen kann

Bei sehr hochwertigen Filmkameras ist die Umlauf-, auch Sektorenblende genannt, verspiegelt. Durch geschickte Anordnung im Strahlenlang gelingt es auf diese Weise, das Licht während der Transportphase in den Sucher umzuleiten.

Spiegelumlaufblende einer ARRI 16 ST, die als eine von wenigen Kameras zwei Spiegelflügel besitzt. Auf das Funktionsprinzip hat dies keinen Einfluss.

Bei den meisten Filmkameras ist der Winkel der Sektorenblende feststehend. Nur der technische Service kann sie gegen eine andere mit größerem oder kleinerem Offensektor tauschen.

In Ländern mit 50 Hz-Netzfrequenz sind Umlaufblenden von 180° oder 172,8° Standard. Bei 25 bzw. 24 B/Sek. ergibt sich damit eine Belichtungszeit von 1/50 Sekunde. In 60 Hz-Ländern werden standardmäßig meist Umlaufblenden von 180° oder 144° verbaut, weil das bei 30 und 24 B/Sek. jeweils eine Belichtungszeit von 1/60 Sek. ergibt (wozu das wichtig ist: siehe hier).

Generell ergibt sich die Belichtungszeit aus der Größe des fehlenden Kreissegments (Offen- oder Hellsektor genannt), gemessen in Winkelgraden und der Frequenz, mit der die Sektorenblende rotiert.

Nur bei sehr hochwertigen Filmkameras lässt sich der Hellsektor vom Nutzer einstellen; bei modernen Geräten geht das sogar elektronisch während des Filmlaufs. Die Belichtungszeit lässt sich dann mit folgender Formel ermitteln:

Der kleine aber bedeutsame Unterschied für Videofilmer

Wenn Sie das alles aufmerksam gelesen haben, vielleicht haben Sie dann schon den kleinen Unterschied bemerkt, den Sie berücksichtigen müssen, wenn Sie an einer Videokamera mit Hellsektorgraden arbeiten möchten:

Im Gegensatz zur einer Belichtungszeitangabe, die unabhängig von der eingestellten Bildfreqeunz ist, führt derselbe Hellsektorwert bei unterschiedlichen Bildfrequenzen zu unterschiedlichen Belichtungszeiten.

Hier können Sie die Belichtungszeit ermitteln:

[box type=’normal‘] [jazzy form=“hellsektor_in_belichtungszeit“] [/box]

 

 

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