Datensicherung von Video-Projekten und Rohmaterial – so geht es

Ich drehe Filme für meinen YT Kanal. Obwohl ich nur in 1080p 60 drehe, habe ich mittlerweile sehr viel Videomaterial angesammelt, und mein Server ist randvoll. Wie sichere ich am besten mein Rohmaterial, oder speichert man das nach dem Schnitt des Videos überhaupt noch?

Bevor ich loslege, erst mal eine kleine Randbemerkung: „Nur“ 1080p /60. Warum so bescheiden? Weil die (Werbe-) Welt von vier, sechs oder noch mehr K faselt? Lass‘ Dir nichts erzählen: FullHD ist selbst für die große Leinwand faktisch völlig ausreichend, für einen Youtube-Kanal allemal (vergl. Wie sinnvoll sind 4K / UHD Fernseher?)

Was geht in die Sicherung?

Ob man das gesamte Projektmaterial sichert oder nicht, ist eine sehr persönliche Entscheidung, die möglicherweise auch von der Art Deines Kanals beeinflusst wird. Besteht er im Wesentlichen aus Moderation macht es wenig Sinn, sämtliche Outtakes und Versprecher aufzuheben. Hat Dein Kanal eher Reportage- oder Dokucharaker oder gibt es umfangreiches B-Roll-Material, würde ich das Rohmaterial  in jedem Fall archivieren. Sinngemäß gilt das auch für mit Dritten geführte Interviews oder andere Inhalte, bei denen nach Jahren eine Zweitnutzung möglich erscheint.

In vielen Fällen werden einige, aber nicht alle Rohfiles sicherungswürdig sein. Trotzdem würde ich niemals aussortieren: Entweder gibt es sicherungswürdige Elemente, dann wandert das Gesamtprojekt ins Archiv oder eben nicht, dann geht es mit den Rohdaten ab ins digitale Nirvana.

Das Sicherungskonzept

Von sämtlichen Videos würde ich in jedem Fall mehrere Ausspielungen in optimaler Qualität erzeugen. Auf diese Weise ist sicher gestellt, dass Du auch dann noch in vielfältiger Weise auf Deine Filme zugreifen kannst, wenn die Projektfiles nicht mehr lesbar sind, etwa weil Du zwischenzeitlich die Software gewechselt hast oder die moderne Schnittsoftware mit den alten Files nicht zurecht kommt:

  • Eine Master-Datei des Gesamtvideos in einem qualitativ möglichst hochwertigen Codec
    Soweit Du die technischen Möglichkeiten dazu hast, empfehle ich einen Codec, der auch im professionellen Umfeld genutzt wird, z.B. Apple ProRes, AVID DnxHD oder – wenn es nicht anders geht – ein MP4 /H264 mit mindestens 50 MBit Datenrate.
  • Einen sog. Cleanfeed mit IT-Ton
    „Cleanfeed“ bedeutet, dass das komplette Video erneut ausgespielt wird, jedoch ohne Grafikelemente und Schrifteinblendungen, wie Bauchbinden oder Titel. Für die Auswahl des Codecs gilt das oben gesagte. „IT“ steht für „International Tape“, das heißt, die Audiospur enthält sämtliche Toninformationen mit Ausnahme des Off-Kommentars. Im On durch einen Moderator gesprochene Texte bleiben jedoch erhalten. Achte darauf, dass Du vor der Ausspielung Pegelabsenkungen, die der besseren Sprachverständlichkeit des Off-Sprechers dienten, rückgängig machst.
  • Musik-, Geräusch- und Sprachspuren separat ausspielen
    Als WAV oder AIF-Audidatei (auf 48 KHz-Samplingfrequenz achten!) ausgespielt, nehmen Sie nicht viel Platz weg. Wenn Du aber später noch einmal auf Teile des Films zurückgreifen möchtest, erleichtern sie Dir die Bearbeitung ganz erheblich.

Wichtig: Gewöhne Dir an, Videofiles immer nach der gleichen Struktur zu benennen. Nimm bei Masterfiles und anderen Archivdaten nach Möglichkeit Infos über die technischen Basisdaten mit auf, z.B.

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Das sieht erst einmal kompliziert aus, sorgt aber für Ordnung im Archiv und hilft Dir in 10 oder 15 Jahren einen Player zu finden, der die Datei lesen kann.

Die Sicherungsmedien

Filmarchive sichern ihre digitalen Filmdaten auf LTO-Magnetbändern. Bei Datenmengen, wie sie bei Youtubern, aber auch bei vielen Profis anfallen, ist dies zu teuer und zu aufwendig. Optische Datenträger, wie DVD, Blu-Ray etc. sind häufig zu empfindlich und besitzen zudem eine zu geringe Kapazität.

Einzig sinnvoller Weg, der sowohl kostengünstig als auch halbwegs sicher erscheint, ist die Verwendung von Festplatten. Allerdings genießen sie in Bezug auf ihre Lagerfähigkeit ebenfalls nicht gerade den besten Ruf. Mit der richtigen Strategie – Spiegelung auf mehrere Platten –  lässt sich die Langzeitsicherheit erheblich steigern:

  • Sichere grundsätzlich sämtliche Filmdaten mindestens zweifach, besser dreifach.
    Fällt eine Platte nach Jahren aus, hast Du noch eine weitere als Reserve, um die Daten wiederherzustellen. Eine solche Wiederherstellung ist für die verbliebene Platte möglicherweise eine zu große Belastung, so dass sie dabei ebenfalls ausfällt. Um hier vorzubeugen, empfehle ich in jedem Fall eine dreifache-Sicherung.
  • Kopiere die Daten nicht von Platte zu Platte, sondern immer ausgehend von den Original-Projektdaten.
    Es kann nämlich schon mal vorkommen, dass bei einem Kopiervorgang ein Bit „kippt“ und eine Einzeldatei unbrauchbar macht. Wird von Platte zu Platte kopiert, ist der Fehler in allen Folgekopien enthalten und die Datei möglicherweise verloren.
  • Verwende für die Kopierung nicht die Windows oder Apple-Bordmittel, sondern ein hierauf spezialisiertes Programm.
    Das gibt es auch kostenlos (z.B. Teracopy). Verwende keinesfalls Sicherungsprogramme, die Daten umstrukturieren, verschlüsseln oder komprimieren. Der Zugriff auf die Sicherungsmedien muss ohne die Installation von Recovery-Software nur mit Bordmitteln möglich sein.
  • Verwende für jeden Sicherungs-Datensatz Platten von mindestens zwei unterschiedlichen Herstellern oder zumindest unterschiedlicher Serien
    Auf diese Weise verhinderst Du, dass ein unerkannter Firmwarebug oder ein sonstiger unerkannt gebliebener Serienfehler Deine Sicherung zunichte macht.
  • Verwende möglichst kleine Platten.
    Statt einer 4-TB-Platte verwende bevorzugt 4 Einzelplatten a 1 TB.
    Das ist zwar unter dem Strich etwas teurer und kann auf Grund der empfohlenen Mehrfachsicherung auch in einer kleinen Materialschlacht enden, erhöht die Datensicherheit aber ungemein.
  • Lagere die Platten an unterschiedlichen Orten.
    Im Idealfall solltest Du mindestens eine der Sicherheitskopien außerhalb Deiner Wohnung – etwa bei Freunden, Verwandten oder Eltern – lagern. Auf diese Weise bist Du selbst bei Einbuch-, Wasser- oder Brandschäden auf der sicheren Seite.

Ein Tipp zum Schluss: Besorge Dir für 30 € eine Docking-Station, mit der Du handelsübliche interne Festplatten via USB an den Rechner hängen kannst. Das ist unter dem Strich deutlich billiger als die Verwendung von externen USB-Festplatten.

Und ein Tipp ganz zum Schluss: Vergiss nicht der Sicherung sonstige Daten hinzuzufügen, als da wären: Drehbücher, Textmanuskripte, Lizenzunterlagen zur Musik, Rechteabtretungen von Protagonisten ….


	
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