Bolex H16: Versehentlich den Deckel geöffnet – ist das Filmmaterial noch zu gebrauchen?

Mir ist leider ein ärgerliches Versehen passiert. Ich filme gelegentlich (als Hobby) mit einer Paillard-Bolex H 16 von 1946 Da ich seit längerer Zeit nicht mehr gefilmt habe wollte ich heute die Kamera kontrollieren und habe das Gehäuse geöffnet Ärgerlicherweise muss ich vor Monaten einen Film eingelegt haben und erinnerte mich nicht mehr daran. Jedenfalls sah ich, dass es einen Film drinnen hatte und habe den Deckel natürlich umgehend wieder draufgelegt.

Nun stellt sich bei mir die Frage, ob der Film komplett hinüber ist oder ob (nach dem Abspulen einiger Meter) der Innenbereich des Films noch zu gebrauchen ist?

Zunächst einmal: Das passiert auch Profis – jeder der behauptet, das sei ihm noch nie passiert, der lügt!

Filmmaterial auf Tageslichtspulen, eingelegt in einer Bolex H16

Wenn die Bolex H16 ohne Zusatzkassette betrieben wird, finden intern 30m Tageslichtspulen Verwendung (Foto). Wie der Name schon erahnen lässt, sind diese Metallspulen beschränkt tageslichttauglich: Konstruktionsbedingt schirmen sie das Filmmaterial ab, so dass es möglich (und üblich) ist, die Kamera auch außerhalb eines Dunkelsacks in gedämpften Licht zu laden. Belichtet werden hierbei nur die ersten ein oder zwei Windungen und natürlich das Filmmaterial, welches sich im Filmkanal befindet. Gelangt ein Lichtstrahl – was beim Einlegen durchaus passiert – in den Zwischenraum zwischen dem aufgespulten Film und der Metallwand, kommt es regelmäßig zu einer Belichtung des Perforationsbereichs. Bei Farbumkehrfilm erkennt man das an meist gelblich/roten Stellen am Rande des entwickelten Materials. In Ausnahmefällen ist der Lichteinfall so stark, dass er bei der Projektion als gelb/rotes Pulsieren am Bildrand sichtbar wird.

Sie sehen, das Filmmaterial ist – besonders, wenn es schon eingelegt ist – recht gut gegen Lichteinfall geschützt. Wie umfangreich der Schaden ausfallen mag, ist aus der Ferne schwer zu beurteilen. Im günstigsten Fall sind nur die beiden äußeren Wicklungen und das im Filmkanal liegende Material betroffen, was ca. 50 – 70 cm entspricht, bei höher empfindlichem Film vielleicht auch etwas mehr. Zudem kommt es darauf an, wie locker das Material aufgespult war. Manchmal bilden sich in der Spule kleine Schlaufen, so dass Licht in etwas tiefere Schichten des Wickels fallen kann. Zu guter Letzt macht es einen Unterschied, ob das versehentliche Öffnen in direktem Sonnenlicht oder in der gemäßigten Helligkeit eines Raumes erfolgte.  Alles in allem sehe ich jedoch gute Chancen, dass Ihr Missgeschick nur geringe Folgen haben wird und das Filmmaterial weiter genutzt werden kann. Unwiederbringliche Aufnahmen, die 100%ig gelingen müssen, würde ich allerdings keine darauf machen.

 

 

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