Schummelei bei Akkus und Powerbanks: Der Trick mit den (Milli-) Amperestunden

Es geht auch anders: Bei diesem No-Name-Produkt sind die Wh deklariert - so soll es sein!

Powerbanks werden regelmäßig mit großen Zahlen beworben. Das klingt toll und ist ein wichtiges Marketing-Instrument der Hersteller. Doch stimmen die auch?

Obwohl die Maßeinheit Wh („Wattstunden“) für den Vergleich von Powerbanks besser geeignet wäre, findet man oft nur eine  Angabe in mAh („Milliamperestunden“). Im Gegensatz zur Wh ist die mAh-Zahl jedoch nur dann aussagekräftig, wenn man weiß, auf welche Spannung sie sich bezieht.

Bei Powerbanks sollte die Sache aus Kundensicht eigentlich klar sein: 5 Volt, denn das ist die Spannung, die an der USB-Ausgangsbuche anliegt. Nach der Formel, die ich in einem anderen Artikel näher vorgestellt habe, rechnen wir die mAh in Wh um. Für eine Powerbank mit 4000 mAh gilt also:

(4000 / 1000) * 5 = 20

In dieser Powerbank befinden sich zwei parallel geschaltete Standardzellen mit 2000 mAh. Es scheint alles korrekt, wenn da die 3,7 V nicht wären.

20 Wh ist das Ergebnis; zumindest oberflächlich betrachtet. Trotzdem sind wir damit vielleicht der Marketing-Abteilung auf den Leim gegangen. Um das zu verstehen, schrauben wir eine zufällig ausgewählte No-Name-Powerbank einfach mal auf (bitte nicht nachmachen, kann gefährlich sein).  Darin befinden sich mehrere Standard-Li-Io-Zellen. Addiert man die dort aufgedruckten mAh-Werte, ergibt sich in der Tat die ausgelobte Zahl. Es scheint alles in Ordnung – aber halt: Eine Li-Io-Zelle besitzt standardmäßig nur eine Nominalspannung von 3,7 V. Rechnen wir also erneut:

(4000 / 1000) * 3,7 = 14,8

Jetzt sieht das Ergebnis gleich schon viel weniger imposant aus: Von den ehemals 20 Wh bleiben tatsächlich nur noch 14,8 Wh übrig.

In unserem Fotobeispiel hat der Hersteller alles richtig gemacht, weil er diesen Wert mit auf das Typenschild geschrieben hat, das ist aber nicht selbstverständlich.

So soll es sein: Auf dem Typenschild steht die Kapazität in Wh. Dieser Wert ist spannungsunabhängig gültig. Nachrechnen geht allerdings nur, wenn man die Nominalspannung der Zellen und sich mit deren Verschaltung auskennt.

Doch auch die so ermittelte Leistung können Sie der Powerbank keineswegs vollständig entnehmen. Danach wären die Zellen tiefentladen und die Powerbank kaputt. Zudem braucht die Elektronik, die die Spannungsanpassung vornimmt, natürlich ebenfalls Strom, und das, zumindest bei schlechtem Schaltungsaufbau, nicht mal wenig.

Mein Tipp

Vergleichen Sie Akkus niemals auf Basis von mAh, sondern rechnen Sie zunächst in Wh um. Achten Sie dabei genau darauf, auf welche Spannung sich der aufgedruckte mAh-Wert bezieht. Im Zweifel gehen rechnen Sie mit 3,7 Volt.  Am besten ist es, wenn Sie nach Powerbanks Ausschau halten, bei denen der Hersteller die Kapazität gleich in Wh deklariert (siehe Foto).

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