Wie pegelt man eine Kamera auf einen Audiomischer ein?

Wie sich die Pegelanzeigen von Kamera und Mischer unterscheiden

Sowohl die Pegelanzeigen von Kameras als auch die von Audiomischern sind in dB (Dezibel) geeicht. Trotzdem zeigen sie nicht dasselbe an.

Die Pegalanzeige der Kamera

An der Kamera müsste es eigentlich korrekt heißen: dBFS. FS steht dabei für Full Scale, was soviel bedeutet, dass die Skala den gesamten Bereich des Audiosignals umfasst, den die Kamera digital verarbeiten kann. Dabei markiert 0 dBFS das Ende der Fahnenstange – stärkere Signale führen zu „clippen“, können also nicht aufgezeichnet werden.

In der Praxis gehen die Skalen jedoch etwas über die 0dBFS-Marke hinaus und das „Over“-Lämpchen meldet sich erst, wenn die Pegelanzeige ganz rechts am Anschlag steht. Wie das? In diesem Bereich fängt ein nicht abschaltbarer Limiter entsprechende Signalspitzen ab, bevor die Aufnahme unbrauchbar wird.

Die Pegelanzeige am Audiomischer

Die dB-Anzeige des Audiomischers bezieht sich auf dessen Ausgangssignal, genauer gesagt,  auf die an der jeweiligen Ausgangsbuchse anliegende Spannung. Wie hoch diese bei einem bestimmten Pegelausschlag ist, hängt von den weiteren Einstellungen des Mischpultes ab. Kleinmischer, wie sie im Bereich der Filmproduktion zum Einsatz kommen, lassen sich auf mindestens zwei verschiedene Ausgangspegel einstellen: Den Line- und den Mikrofonpegel. Welche Ausgangsspannung sich hinter diesen Bezeichnungen verbirgt, ist zwar eigentlich genau definiert, in der Praxis kann man sich darauf jedoch nicht 100% verlassen.

Der Linepegel
Der in professionellen Umgebungen übliche Linepegel, der erreicht wird, wenn die Aussteuerungsanzeige des Mischpultes 0 dB anzeigt, liegt international bei +4 dBu, was einer Spannung von 1,23 Volt entspricht. Die Mischerhersteller halten sich allerdings nicht sklavisch daran, so dass der Ausgangspegel je nach Hersteller und Modell auch schon einmal etwas darunter oder darüber liegen kann. Für das SQN-3 M gibt der Hersteller beispielsweise einen Normausgangspegel von +8dBu an, der jedoch intern verändert werden kann.  Um das Durcheinander komplett zu machen, haben die EBU und mit ihr die deutschen Fernsehanstalten den Line-Normpegel auf +6dBu (1,55 Volt) festgelegt.

Der Mikrofonpegel
Noch weniger einheitlich als der Line-, ist der Mikropegel. Je nach Gerät liegt er irgendwo zwischen -30 und -60 dBu. Die meisten Kleinmischer arbeiten in Werkseinstellung mit einem Pegel von -50 dBu, d. h bei einer Aussteuerungsanzeige von 0dB beträgt die Ausgangsspannung 0,0025 Volt. Auch viele Kameras mit XLR-Eingang gehen bei Werkseinstellung von diesen Werten als Eingangssignal aus.

Kamera und Mischer aufeinander einpegeln

In Vorbereitung eines Drehtages mit unbekannter Ausrüstung sollten Sie unbedingt in Erfahrung bringen, wie Line- und Mikrofonpegel bei den jeweiligen Geräten tatsächlich eingestellt sind und gegebenenfalls aneinander adaptieren.

Welcher Pegel ist für die Übertragung optimal?
Ob Sie für die Audioübertragung von Mischer zur Kamera ein Signal mit Line- oder Mikropegel verwenden möchten, hängt von Ihren persönlichen Präferenzen ab. Auf Grund seiner wesentlich höheren Signalspannung ist ein Line-Pegel weniger störanfällig. Im Gegenzug kann der Mischer bei Verwendung des Mikropegels einfach gegen ein Mikrofon ausgetauscht werden, ohne dass zwingend Veränderungen an den Kameraeinstellungen vorgenommen werden müssen. Im hektischen News-Einsatz können dadurch schwerwiegende Fehler vermieden werden.

Der Pegelton
Als Referenz-Tonsignal verwendet man einen 1 kHz-Ton, allerdings nicht in Vollaussteuerung, sondern mit einem um 9 dB reduzierten Pegel. Der Grund für den niedrigeren Pegel sind unterschiedliche Ansprechverhalten von Aussteuerungsanzeigen. Bei Geräten mit VU-Meter-Anzeige zum Beispiel läge die Vollaussteuerung außerhalb des Skalenbereichs.

Die Vorgehensweise am Drehort

  1. Entscheiden Sie sich, ob Sie mit Line- oder Mikrofonpegel arbeiten möchten und stellen Sie Kamera und Mischer darauf ein.
  2. Schalten Sie den Pegelton ein. Soweit Ihr Mischer eine Justage des Pegeltons zulässt, regeln Sie ihn auf -9 dB. Achtung: Manche ältere Mischer, wie der Shure Fp31, besitzen statt einer Spitzenwertanzeige ein VU-Meter. Hier – und nur hier – müssen Sie den Pegelton auf -3 VU einstellen.
  3. Jetzt heiß es aufgepasst: An der Kamera haben Sie es mit einer völlig anderen Skala zu tun, bei der über 0 dBFS nichts mehr kommt. Deshalb müssen Sie von dieser kritischen Marke ein wenig Sicherheitsabstand („Headroom“) halten. Je nach Umfeld, in dem Sie arbeiten, gibt es unterschiedliche Empfehlungen.  Bei deutschen Rundfunkanstalten ist ein Headroom von 9 dB üblich. Für das Auspegeln bedeutet dass, dass Sie den Pegelton, der am Mischer mit -9dB angezeigt wird, an der Kamera auf -18 dBFS justieren müssen.

Häufigste Fehlerquellen:

Trotz korrekter Verkabelung kommt kein Signal an der Kamera an. Der Mischerausgang liefert ein Signal mit Mikropegel, während die Kamera ein Linesignal erwartet. Abhilfe: Entweder den Mischerausgang auf Linepegel, oder den Kameraeingang auf Mikrofonpegel umschalten.
Auf der Kamera kommt zwar ein Tonsignal an, das jedoch ist so stark, dass der Einstellregler ganz weit zurückgedeht werden muss. Signalspitzen und Zischlaute klingen unter Umständen verzerrt. Im Regelfall sollte die krorrekte Aussteuerung bei einer Reglerstellung von 5 – 7 (auf einer Skala von 10) erreicht sein. liegt sie deutlich niedriger, liefert der Mischer einen Linepegel, während die Kamera einen Mikropegel erwartet.

 

 

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