Weißabgleich: Wie erhält man die vorhandene Lichtstimmung?

Soll die warme Stimmung des Raumes erhalten bleiben, ist die Verwendung eines Weißabgleich-Presets angesagt.

Hallo Herr Neudeck,
wie stellt man den Weißabgleich bei Szenen ein, bei denen beispielsweise weiße Textilien vorhanden sind, welche durch ein warmes Kunstlicht in der Realität aber NICHT weiß erscheinen. Wie weiß ich, das mein Weißabgleich so gewählt ist, dass die Kamera die Farben so wiedergibt, wie ich sie sehe – also das „orangegewordene“ Weiß nicht klinisch weiß macht, sondern eben so wie ich es sehe? Freundliche Grüße und besten Dank!

Physikalisch gesehen gibt es kein weißes Licht. Es ist immer eine Mischung verschiedener Lichtfarben, die das menschliche Auge – oder besser das Gehirn –  in der Gesamtheit als weiß interpretiert. Deshalb erkennen Sie in einer Diskothek ein weißes Blatt Papier selbst dann noch als weiß, wenn nur das nahezu monochromatisches Licht der Effektscheinwerfer darauf fällt.

Bei einer Film- oder Fotokamera ist das ganz anders. Sie sieht nur das, was auch tatsächlich vorhanden ist.  In der Regel ist diese Eigenschaft von Bildsensoren unerwünscht, schließlich möchte man, dass das Ergebnis auf dem Schirm dem natürlichen Seheindruck möglichst nahe kommt. In der Praxis heißt das, es soll ein farbneutrales Gesamtbild erzeugt werden. Damit das funktioniert, gibt es den Weißabgleich, sei es den automatischen oder auch manuell vorgenommen.

Es gibt allerdings auch vielfältige Situationen, in denen ein farbneutrales Bild nicht erwünscht ist. Die typische Sonnenuntergangstimmung oder Aufnahmen bei Kerzenlicht sind gute Beispiele hierfür. Würde man hier den Weißabgleich gewähren lassen, bliebe von der beabsichtigten warmen Bildwirkung nicht viel übrig. Abhilfe schafft ein Blick in das Kameramenü:

Neben dem automatischen und manuellen Weißabgleich besitzt jede Kamera zusätzlich verschiedene Voreinstellungen („Presets“). Welche das sind, unterscheidet sich von Gerät zu Gerät. Immer vorhanden sind ein Preset für Kunst- und einer für Tageslicht. Die hierunter hinterlegten Werte sind auf bestimmte Normlichtquellen ausgelegt, der Tageslicht-Preset auf mittleres Sonnenlicht (5600 Kelvin), der für Kunstlicht auf Studio-Halogenleuchten (3200 Kelvin). Manche Kameras bieten zusätzlich einen Preset, bei dem sich die Farbtemperatur in weiten Bereichen manuell verändern lässt. Hier haben Sie es dann selbst in der Hand, die Wärme oder Kühle des Bildergebnisses zu manipulieren. Ist die tatsächliche Farbtemperatur des Lichts höher oder niedriger als die Voreinstellung, führt dies zu einem kälteren oder wärmeren Bildergebnis.

In Ihrem Fall wäre vermutlich die Verwendung des Kunstlicht-Presets zielführend. Sollte das nicht ausreichen und Ihre Kamera die Möglichkeit dazu besitzen, können Sie die Farbtemperatureinstellung an der Kamera zusätzlich in Richtung Tageslicht (höhere Kelvinwerte) verändern. Achtung: Wenn Sie dies am Drehort direkt machen, ist Ihr Auge auf das (warme) Umgebungslicht adaptiert. Monitore und Kamerasucher arbeiten jedoch mit tageslichtähnlichen Farbtemperaturen, wodurch Ihnen das Bild überproportional kühl vorkommen kann. Steuern Sie jetzt manuell dagegen, ist es möglich, dass Sie für normale Betrachtungsbedingungen zu viel des Guten tun.

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