Was macht einen guten Kameraschwenk aus?

Abgesehen davon, dass ein guter Schwenk immer technisch sauber ausgeführt sein sollte, gibt es je nach Anwendung durchaus gegensätzliche Eigenschaften.

Arten von Schwenks und ihre optimale Ausführung:
  • Landschaftschwenk
    Die 5 Phasen eines Landschaftsschwenks

    5 Phasen eines Kameraschwenks: (1) Stand von mindestens zwei Sekunden; (2) die Geschwindigkeit steigert sich bis zum Maximum (3), fällt dann wieder langsam ab (4), läuft aus und steht wieder für mindestens zwei Sekunden (5)

    Damit er gelingt, ist ein stabiles Stativ unabdingbar. Bevor der Schwenk los geht, sollte das Anfangsbild mindestens zwei Sekunden ruhig stehen (1). Danach setzt sich die Kamera langsam in Bewegung (2) um dabei die Geschwindigkeit bis zum Maximum (3) zu steigern. Im weiteren Verlauf sollte die Geschwindigkeit langsam abnehmen (4) und schließlich ganz auslaufen. Das Schlussbild steht wieder mindestens 2 Sekunden (5).

    Schwenkgeschwindigkeit_25p

    Faustformel für Schwenks unter 25p: Ein Objekt, das sich durch den Schwenk über die gesamte Bildfläche bewegt, sollte dazu mindestens 7 Sekunden benötigen.

    Bei Aufnahmen im Format 25p kommt es zusätzlich auf die Maximalgeschwindigkeit an. Ist sie zu hoch, kommt es zu unangenehmen Shutter-/Ruckeleffekten. Als Faustformel gilt: Ein Bilddetail, das sich durch den Schwenk von einer zur anderen Bildkante bewegt, sollte hierfür mindestens 7 Sekunden benötigen.

  • Bildschwenk
    Eingesetzt wird er besonders gerne  für Montagen, bei denen die Kamera kontinuierlich in Bewegung sein soll, zum Beispiel beim Schwenken über Fotos oder Plakate. Häufig werden dabei mehrere Aufnahmen mit Überblendungen miteinander verbunden. Im Gegensatz zum Landschaftsschwenk mit seiner dynamischen Geschwindkeitskurve sollte die Schwenkgeschwindigkeit bei allen Aufnahmen möglichst konstant und gleichmäßig  sein.

    Statt eines Standes zu Beginn und am Ende des Schwenks wird vor dem eigentlichen Anfangsbild begonnen und das angedachte Endbild überschwenkt. Diese, oftmals in der Bildgestaltung suboptimalen Bereiche dienen als „Blendfleich“. Es wird benötigt, um mehrere Einstellungen via Überblendung elegant miteinander zu verbinden.

    Über die gesamte Einstellungsfolge hinweg sollte der Schwenk  der Dynamik eines klassischen Landschaftsschwenks entsprechen. Das erste Bild dieser Sequenz sollte demnach mindestens 2 Sekunden stehen (1) und erst dann die Schwenkbewegung langsam einsetzen (2). Bei Maximalgeschwindigkeit (3) folgen mehrere durch Überblendungen miteinander verbundene Einstellungen mit konstanter Schwenkgeschwindigkeit. Ob die Richtung hierbei beibehalten oder abwechselnd gegenläufig geschwenkt wird, ist Geschmacksache. Wichtig ist, das der Schwenk beim letzten Bild wieder langsam ausläuft (4) und zum Stehen kommt (5). Damit die zuvor beschriebene Schnittfolge funktioniert, müssen Sie bereits beim Dreh die erste und letzte Einstellung kennen. Nicht immer ist das möglich. Darum drehen Sie zusätzlich immer auch eine Reihe von Ständen. Die spätere Schnittfolge kann dann mit einem Stand beginnen, via Überblendung in die nächsten (geschwenkten) Motive übergehen und schließlich wieder mit einer Überblendung auf einem Stand enden.

    Bei filigranen Schwenkbewegungen hilft ein Gummiband, dass das Stativ von Ihrem Körper entkoppelt.

    Bei filigranen Schwenkbewegungen hilft ein Gummiband, das das Stativ von Ihrem Körper entkoppelt.

    Bei Aufzeichnung im 25p-Modus ist auch hierbei die maximale Schwenkgeschwindigkeit zu berücksichtigen.

    Technisch sind solche Schwenks gerade bei sehr kleinen Objekten, wie Fotos, nicht immer einfach zu realisieren, da selbst der Atem des Kameramannes die Bewegung beeinflusst. Fassen Sie daher den Schwenkarm des Stativs nicht direkt an, sondern verwenden Sie ein Gummiband.

  • Reissschwenk Reisschwenks werden gerne dazu benutzt, um zwei an unterschiedlichen Orten gemachte Aufnahmen miteinander zu verbinden, ähnlich einer Überblendung. Am Ende der ersten Einstellung schwenken Sie möglichst rasch vom Motiv weg. Die zweite Einstellung beginnt mit einem ebenso raschen Schwenk, der auf dem eigentlichen Motiv endet.  In der Regel sollten Sie die Schwenkrichtung dabei beibehalten. Für besondere Effekte ist jedoch auch das Aneinanderschneiden gegenläufiger Schwenks denkbar.

    Kritisch ist die jeweils zweite Einstellung, bei der der Schwenk endet. Das Standbild darf kein „Lämmerschwanz“ sein, sondern muss sauber stehen, ohne zurückzuschwingen. Das erfordert Übung. Gegebenenfalls sollten Sie sich einen provisorischen Anschlag bauen (etwa eine Tischkante, die die Bewegung des Schwenkarms an definierter Stelle zwangsbremst). Ist das nicht möglich, sollten Sie in Betracht ziehen, die Einstellung im Schnitt rückwärts zu kopieren. Das geht natürlich nur, wenn das Motiv keine bewegten Objekte enthält, die den Trick offenbaren.

  • Verfolgungsschwenk
    Bewegt sich Ihr verfolgtes Objekt von links nach rechts, positionieren Sie es links im Bild, so dass es sich ins Bild hinein bewegt.

    Bewegt sich Ihr verfolgtes Objekt von links nach rechts, positionieren Sie es links im Bild, so dass es sich ins Bild hinein bewegt.

    Ein Schwenk, der einer Bewegung folgt, ist sehr einfach zu realisieren, da Schwenkgeschwindigkeit und Dynamik sich ausschließlich am verfolgten Objekt orientieren. Auch für den Dreh mit 25p gibt es keine Beschränkungen. Empfehlenswert ist es, das Bild so zu gestalten, dass sich das bewegte Objekt ins Motiv hinein bewegt und nicht aus ihm heraus. Bei einer Bewegung von links nach rechts wird dazu das Objekt im linken Bildbereich positioniert. Läuft die Bewegung umgekehrt, positionieren Sie das Objekt im rechten Bildbereich.

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1 Kommentar zu Was macht einen guten Kameraschwenk aus?

  1. Schöne, hilfreiche Darstellung, wie man das Schwenken bei 25p verbessern kann. Danke für den wertvollen Beitrag.

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