Objektiv reinigen: Wie geht es richtig?

Mein Objektiv könnte mal eine Reinigung vertragen. Ich habe im Internet recherchiert und bin jetzt total unsicher. Was brauche ich, und wie geht es richtig?

Mein Lehrmeister sagte immer: „Objektive werden nicht kaputt fotografiert, sondern kaputt geputzt“. Damit lag er wohl gar nicht so falsch, denn in meiner nun gut 25jährigen Berufslaufbahn habe ich nur wenige wirklich defekte Objektive gesehen, dafür umso mehr mit Putzschäden. Dabei ist es eigentlich gar nicht so schwer. Die wichtigste Regel dabei:

Sagen Sie nicht jedem Staubkorn gleich den Kampf an!

Sieht man von besonderen Aufnahmesituationen wie zum Beispiel Gegenlicht ab, wird Staub auf der Front- oder Hinterlinse in der Regel die Bildqualität nicht negativ beeinflussen. Von daher kann er auch dort verbleiben.  Sollte es doch einmal nötig sein Staub zu entfernen, geht das auch ohne teures Spezialequipment aus dem Fotoladen. Ein kleiner Blasebalg oder – besser – ein Kosmetikpinsel aus dem Drogeriemarkt reicht völlig.

Fett und andere filmartige Verunreinigungen, wie sie beispielsweise durch salzhaltige Luft, Kochdunst oder Disconebel verursacht werden, verflachen den Kontrast und besitzen im Extremfall eine weichzeichnende Wirkung. Deshalb müssen sie wohl oder übel entfernt werden. Doch auch hierzu benötigen Sie weder teure Tinkturen noch Spezialtücher: Ein Baumwolltaschentuch oder ein Mikrofasertuch aus der dem 1-Euro-Shop ist bestens geeignet.

Dass sich Glas mit Papier wirkungsvoll säubern lässt, weiß jede Hausfrau. Ich persönlich schwöre deshalb auf ein normales Papiertaschentuch aus einer neuen, noch nicht verfusselten Packung.  Die Wahrscheinlichkeit, dass sich darin unbemerkt ein Sandkorn oder ähnliches verfangen hat, ist deutlich geringer, als bei einem Stofftuch, das bei Nichtgebrauch sein Dasein in der Hosen- oder Kameratasche fristet.

Als Reinigungsmittel optimal ist handelsüblicher Glasreiniger („Sidolin“). Lensfluids aus dem Fachhandel sind teurer, aber keineswegs besser. Keine Sorge wegen der Linsenvergütung. Sie nimmt eher Schaden durch mechanische Beanspruchung während des Putzens als durch die Reinigungsflüssigkeit.

Bei sehr hartnäckigen Fettfilmen greife ich sogar manchmal zu einem Reiniger aus dem Küchenbereich („Bref Power Fett & Eingebranntes“). Diese zugegeben chemische Keule halte ich für besser, als zu kräftiges Polieren. Bisher haben alle meine Linsen dies bestens überstanden. Es ist aber durchaus möglich, dass die eine oder andere Plastiklinse das übel nimmt – von daher: Vorsicht walten lassen!

Der Reinigungsvorgang Step-by-Step

Entfernen Sie zunächst grobe Verunreinigungen. Das geht am besten mit einem Kosmetikpinsel. Tipp: Verwenden Sie einen Pinsel mit hellen Borsten. Schwarze mögen zwar professioneller aussehen, haben aber einen großen Nachteil: Fällt ein Haar aus und gelangt versehentlich in die Mechanik ist es kaum sichtbar. Ein helles Haar dagegen fällt sofort ins Auge.
Erst jetzt kommt das Tuch zum Einsatz. Zur Not geht auch  ein T-Shirt.  Bei nur geringer Verschmutzung braucht es oft keiner Reinigungsflüssigkeit – ein Atemhauch reicht völlig.

Reinigen Sie mit leichtem Druck in kreisenden Bewegungen von den Linsenrändern zur Mitte hin.  Auf diese Weise gibt es an den Rändern keine Schmutzablagerungen.

Wo der Atemhauch nicht ausreicht, kommt Glasreiniger zum Einsatz. Befeuchtet wird das Tuch und nicht die Linse. Bei potentiell Kratzer verursachenden Verunreinigungen (z.B. Salz) kommt ausnahmsweise ein wenig Reiniger direkt auf das Glas. Bleiben danach noch Schlieren zurück, hilft erneutes Anhauchen und vorsichtiges Polieren.

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