Filterkauf: Was taugen Billigfilter?

UV-Filter auf verschiedenen Filtercases

Ich möchte meine Ausrüstung um ein Filterset ergänzen. Gedacht habe ich an ein UV-, ein Pol- und mehrere Graufilter unterschiedlicher Stärke. Die Preisunterschiede zwischen Chinateilen und Markenprodukten sind enorm. Was soll ich kaufen?

Die meisten Billigfilter sind deutlich besser als ihr Ruf! Das Hauptproblem bei der zumeist aus China stammenden Ware ist, dass man niemals genau weiß, was man bekommt. Der Kauf  erfordert daher eine gewisse Risikofreude. Bei Markenprodukten ist das anders: Einen Hoya (in Deutschland im Vertrieb von Hama), Tiffen, Heliopan oder B+W-Filter kann man immer bedenkenlos kaufen, nur kostet der halt auch deutlich mehr. Ob teuer oder billig – ich würde das vom beabsichtigten Einsatzzweck abhängig machen.

UV-Filter

Vaseline oder Nasenfett  – ja, Sie haben richtig gelesen – auf einem UV-Filter eignet sich hervorragend, um mit Weichzeichnereffekten zu experimentieren.

Zur Filterung von UV-Licht sind UV-Filter schon lange nicht mehr erforderlich, weil moderne viellinsige Objektive schon von Hause aus kaum UV-Licht durchlassen. In erster Linie geht es heute meist um den Schutz der Frontlinse. Ob das wirklich erforderlich ist, muss jeder für sich entscheiden. Geht es um diesen Anwendungsfall und bleibt das Filter damit dauerhaft vor dem Objektiv, würde ich keine Kompromisse eingehen. Markenqualität ist angesagt.

Anders sieht es aus, wenn das Filter für Spielereien z.B. mit Vaseline eingesetzt wird oder auf Grund der Aufnahmebedingungen die Gefahr einer Beschädigung besteht. Das Filter ist hier eher Verbrauchsmaterial als Wertgegenstand. Dafür sind die Chinateile in jedem Fall mehr als ausreichend.

Graufilter

Bei Graufiltern geringer bis mittlerer Dichte bis etwa ND8 (ND0.6) kann man fürs Fotografieren durchaus nach preiswerteren Fabrikaten Ausschau halten. Komplikationen sind allenfalls zu erwarten, wenn mit externem Belichtungsmesser gearbeitet wird: Nicht immer stimmen die tatsächlichen Werte exakt mit den aufgedruckten überein. Erfolgt die Belichtungsmessung mit der Kamera selbst, ist das ohne Belang.

Bei sehr starken Graufiltern sind schon mal Abweichungen in der spektralen Durchlässigkeit zu beobachten, insbesondere im Infrarotbereich. Auf den Aufnahmen macht sich das unter Umständen durch einen leichten Farbstich bemerkbar. Bei nur gelegentlicher Anwendung ist das zu verkraften, zumal der automatische Weißabgleich oft ganze Arbeit leistet. Der Rest lässt sich via Photoshop problemlos beseitigen.

Zu einem nervigen Problem können Farbabweichungen  – auch mit geringen Filterstärken – bei Filmaufnahmen werden. Wird mal mit, mal ohne oder mit unterschiedlichen Filterdichten gearbeitet wird, treten Farbabweichungen schneller störend zu Tage als bei einem alleinstehenden Foto. Da selbst manche Profi-Filter nicht gänzlich frei von diesem Problem sind, würde ich für Filmaufnahmen eher auf das Markenprodukt setzen.

Polarisationsfilter

Hier gibt es sicherlich die größten Qualitätsunterschiede. In Anbetracht des sehr eingeschränkten Anwendungsfeldes fallen sie allerdings nur selten wirklich ins Gewicht. Wesentlich wichtiger ist es, zwischen einem Linear- und einem Zirkularfilter zu entscheiden. Linearpolfilter sind die preisgünstigste Lösung. Allerdings vertragen die sich nicht unbedingt mit dem eingebauten Belichtungsmesser der Kamera. Fehlmessungen sind möglich. Sie lassen sich jedoch mit einem Blick auf das Histogramm leicht manuell korrigieren. Wer das nicht möchte oder sich nicht zutraut, sollte zu einem der deutlich teureren Zirkularpolfilter greifen.

Was es sonst noch so zu beachten gibt

Bei Verlaufsfiltern machen Rechteckfilter Sinn. Bei den meisten anderen Anwendungen sind Rundfilter einfacher in der Handhabung.

Mal von dem UV-Filter als dauerhafter Objektivschutz abgesehen, sollten Sie Filter immer für den größten zu erwartenden Filterdurchmesser kaufen. An kleinere Objektive adaptieren sie ein Filter mit Hilfe von preiswerten Step-Up-Ringen.

Ob Sie sich für Schraub- oder Rechteckfilter entscheiden, ist nicht zuletzt Geschmacksache. Einen deutlichen Mehrwert bieten Rechteckfilter bei sog. Verlaufern: Damit lässt sich der Helligkeitsverlauf exakt an das Motiv anpassen, für alles andere sind Schraubfilter komfortabler.

Besonders bei der Arbeit mit Filtern sollten Sie eine Gegenlichtblende verwenden. Das ist erwähnenswert, weil die zum Objektiv gehörende bei Rechteckfiltern und bei Verwendung von Step-Up-Ringen nicht mehr passt. Wenn das Budget kapp ist, greifen Sie lieber zu einem etwas preiswerteren (China-) Filter plus einer passenden Gegenlichtblende. Das bringt oft mehr, als ein sündhaft teures Markenfilter, dass auf Grund von Lichteinfall seine Leistung nicht ausspielen kann.

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